Das Dorf kennenlernen
Trikeri, eines der 24 Dörfer am Berg der Kentauren, ist als Dorf der drei Meere bekannt: Im Norden liegt der Pagasitische Golf, im Süden der Nördliche Golf von Euböa und im Osten die Ägäis. Es ist ein großes Dorf mit langer Geschichte, erbaut auf einem Hügel mit unglaublichem Blick aufs Meer. Obwohl es keine Insel ist, hat es einen ausgeprägten Inselcharakter und eine große Seefahrertradition. Prägend sind die weißen Häuser, die alten Herrenhäuser und die gepflasterten Kalderimia (alten Pflasterwege), die zu endlosen Spaziergängen einladen.
Die Geschichte des Ortes ist recht verwickelt – wundern Sie sich also nicht, wenn Sie vom alten und vom neuen Trikeri hören. Am Anfang war die kleine Insel Palio Trikeri (bei Homer Kikynethos), die schon in der Steinzeit besiedelt gewesen sein soll. Der Überlieferung nach legte hier sogar Jasons Argo an, damit die Seeleute sie für die große Fahrt nach Kolchis instand setzen konnten. Die Bewohner lebten hier bis zu den schweren Erdbeben im 6. Jahrhundert n. Chr. und zogen dann an die Hänge des Theriakontas. Doch auch dort fanden sie keine Ruhe, denn im Spätmittelalter litt die Insel stark unter Piraten. Deshalb wurde sie aufgegeben: Die Bewohner setzten auf das gegenüberliegende Festland über und gründeten das neue Trikeri, wo sie sicherer waren. Beim Aufstieg auf den Hügel trugen sie drei brennende Kerzen. Wo die Kerzen erloschen – auf dem Hügel der Agia Triada (Heilige Dreifaltigkeit) –, bauten sie Kirche und Häuser, und nach und nach entstand das Dorf, das sich an den Berg Tisaio klammert. Während der Revolution von 1821 gab es im Dorf eine Zweigstelle der Filiki Eteria (des griechischen Geheimbundes), und die Bewohner leisteten viel für den Befreiungskampf.
Die Trikerioten waren hervorragende Fischer, Schiffseigner und Händler. Die Kapitänshäuser sind bis heute erhalten und verleihen dem Dorf besonderen Glanz. Unbedingt besuchen sollten Sie das Kloster der Panagia Evangelistria, erbaut 1835. Auch seine Geschichte ist faszinierend: Anlass für den Bau war eine Ikone der Muttergottes, die 1825 an der Wurzel eines wilden Ölbaums gefunden wurde, nachdem der Mönch Damianos Koslis davon geträumt hatte. Die Ikone und ein Stück des Ölbaums werden bis heute in der Hauptkirche des Klosters aufbewahrt, wo Besucher sie verehren können. Vor dem Kloster standen hier zur Zeit des Bilderstreits sieben Kirchen, die jedoch zerstört wurden. Heute verfügt das Kloster über 100 Zellen als Gästezimmer und ist ein Wallfahrtsort; die Umgebung mit ihren Olivenhainen und Zypressen wird Sie verzaubern.
Besonders sehenswert ist auch die Kirche Agia Triada, eine dreischiffige Basilika von 1739 mit herrlicher geschnitzter Ikonostase. Hier steht auch der Thron Napoleons, den Kapitäne aus Trikeri 1815 in Barcelona kauften und auf dem angeblich Napoleon Bonaparte bei seinem Besuch in der katalanischen Hauptstadt Platz nehmen sollte.
Bei Ihrem Streifzug durch das Dorf entdecken Sie noch weitere Sehenswürdigkeiten. Fantastische Sammlungen zur Seefahrt zeigt das Schifffahrtsmuseum im prachtvollen Herrenhaus Koutmanis – ein Besuch lohnt sich auf jeden Fall.
Rund um Ostern finden im Dorf verschiedene Feste statt, die für jeden Besucher ein besonderes Erlebnis sind. Wenn Sie um den 1. Mai hier sind, können Sie sogar eine traditionelle Hochzeit aus Trikeri miterleben – mit Tanz und Gesang und den Frauen des Dorfes in ihren prächtigen, goldbestickten Trachten. Am 9. und 10. September schließlich wird zur Erinnerung an die Auffindung der Marienikone ein großes Fest gefeiert, zu dem Hunderte Pilger kommen.


