
Volos ist die Hauptstadt der Magnesia in Thessalien und liegt mitten im griechischen Festland, zwischen Athen und Thessaloniki. Zwischen dem Pagasitischen Golf und den Ausläufern des Pelion gebaut, nahe dem antiken Iolkos, gilt Volos als eine der schönsten und wichtigsten Städte des Landes – mit rund 140.000 Einwohnern (Volkszählung 2021).
Jedes Jahr kommen Tausende Besucher aus Griechenland und dem Ausland: Die Natur, die Sehenswürdigkeiten und die Verbindung von Bergen und Meer machen die Stadt für viele zu einem der ersten Reiseziele. Nicht umsonst schrieb der Schriftsteller Menelaos Loudemis, Volos sei „eine der großen Großzügigkeiten des Lebens“.
Woher der Name kommt
Für den Namen Volos gibt es mehrere Erklärungen. Nach der ersten entstand er aus der allmählichen Abwandlung des antiken Iolkos: Iolkos – Giolkos – Giolos – Volos. Die zweite besagt, die Stadt sei nach einem reichen Grundbesitzer namens Folos benannt. Die dritte führt den Namen auf die slawische Gottheit Volos oder Veles zurück, die vierte auf eine Verballhornung des italienischen Wortes golfo, „Golf“. Der Name taucht erstmals im 14. Jahrhundert auf und bezeichnete zunächst das heutige Dorf Ano Volos (Ober-Volos).
Die Geschichte von Volos
Die Stadt hat eine lange und reiche Geschichte: Sie beginnt in der Mythologie und setzt sich über die Antike, die byzantinische Zeit bis in die Neuzeit fort.
Mythologie
Der Überlieferung nach gründete Magnes, Sohn des Argos – oder nach anderen des Zeus oder des Aiolos –, die Gegend. Sie ist eng mit dem Mythos der Argonauten verbunden, die von hier aufbrachen. Ziel der Reise Iasons war es, das Goldene Vlies aus Kolchis nach Iolkos zurückzubringen. Dafür baute der geschickte Argos unter Anleitung der Göttin Athene das Schiff Argo. Die Fahrt begann in Pagasai, dem Hafen des antiken Iolkos, und die größten Helden der Zeit nahmen daran teil, etwa Herakles und Orpheus. Seitdem ist die Argo das Wahrzeichen von Volos.
Antike
Die Gegend gehörte zu den ersten besiedelten Regionen Griechenlands. Bei Ausgrabungen fand man in der weiteren Umgebung fast vierzig jungsteinzeitliche Siedlungen; die wichtigsten sind Sesklo und Dimini, die Christos Tsountas Anfang des 20. Jahrhunderts ausgrub. An beiden Orten fand man unter anderem Keramik sowie Werkzeuge aus Knochen und Stein.
Iolkos, ein Name, der untrennbar mit den Argonauten verbunden ist, reicht bis in die mykenische Zeit zurück. Die Könige von Iolkos hatten ihren Sitz in Dimini, der Handel lief über den Hafen von Pefkakia. In klassischer Zeit blühte auch Pagasai als Hafen von Pherai.
Um 294/293 v. Chr. gründete Demetrios Poliorketes („der Städtebelagerer“), König von Makedonien, die Stadt Demetrias im Gebiet des heutigen Pefkakia. Sie erlebte lange Blütezeiten, bis sie 197 v. Chr. in die Hände der Römer fiel.
Dimini
In Dimini wurde eine jungsteinzeitliche Siedlung freigelegt, die bis in die Bronzezeit bewohnt war; Archäologen fanden dort Schmuck, Werkzeuge und Keramik. Südöstlich des Siedlungshügels liegt eine weitere, mykenische Siedlung, die mit Iolkos in Verbindung gebracht wird. Dort wurde bisher ein großer Palastkomplex mit Werkstätten, Lagerräumen und Kulträumen freigelegt.
Sesklo
In Sesklo fand man eine prähistorische Siedlung, die sich um den Hügel Kastraki und auf dem Gebiet des heutigen Dorfes Sesklo entwickelte. Sie wurde erstmals Mitte des 7. Jahrtausends v. Chr. besiedelt und erstreckte sich in der Mittleren Jungsteinzeit über eine große Fläche. Sie gilt als eine der bedeutendsten prähistorischen Siedlungen Griechenlands und Europas.
Byzantinische Zeit
Demetrias und das phthiotische Theben, im Gebiet des heutigen Nea Anchialos, gehörten von vorchristlicher bis in nachbyzantinische Zeit zu den wichtigsten Orten Thessaliens.
Ende des 6. Jahrhunderts verließen die Bewohner die Stadt wegen der Slaweneinfälle, und in den folgenden Jahrhunderten verlor die Gegend an Bedeutung, da sie den Angriffen sarazenischer Piraten ausgesetzt war.
1204 herrschte die große byzantinische Familie der Melissenoi über Volos, 1423 eroberten die Osmanen die alte Burg. Damals begann die christliche Bevölkerung, die Küstenorte zu verlassen und in den Pelion hinaufzuziehen.
Osmanische Zeit
In dieser Zeit erlebte der Pelion dank der Privilegien, die ihm die Osmanen gewährten, einen großen geistigen und wirtschaftlichen Aufschwung. Zagora und Makrinitsa waren die wichtigsten Zentren der Region. In der Burg von Volos, die von den Osmanen gehalten wurde, durften keine Christen leben. In der Revolution von 1821 erhoben sich die Dörfer des Pelion, doch die Osmanen schlugen den Aufstand nieder.
Das heutige Volos entstand kurz nach 1830 und kam schnell zu großem Wohlstand. Mit dem Anschluss Thessaliens an den griechischen Staat zog die griechische Armee am 2. November 1881 in die Stadt ein. Volos hatte damals etwa 5.000 Einwohner.
Neuzeit
Die Gemeinde Pagasai, Vorgängerin der heutigen Gemeinde Volos, wurde am 31. März 1883 gegründet und wuchs dank ihrer günstigen Lage und ihres Hafens rasch. Von da an erlebte die Stadt einen starken wirtschaftlichen Aufschwung, vor allem durch den Handel – deshalb kamen viele Menschen vom Berg herunter und ließen sich an den Ufern des Pagasitischen Golfs nieder. Auch die Industrie wuchs: Ab 1883 entstanden Fabriken, die Volos zu einem bedeutenden Industriezentrum machten, und mit ihnen wuchs die Stadt. 1884 wurde die Bahnlinie Volos–Larissa fertiggestellt und bald darauf bis Kalambaka verlängert; 1895 begann der Bau der Strecke Volos–Lechonia.
In derselben Zeit erlebte die Stadt auch eine kulturelle und gesellschaftliche Blüte. Ein wichtiges Jahr war 1908: Damals öffnete die Höhere Städtische Mädchenschule (Anotero Dimotiko Parthenagogeio) unter der Leitung von Alexandros Delmouzos, die allerdings drei Jahre später wieder schloss. Im selben Jahr wurde das Arbeiterzentrum von Volos gegründet, das erste in Griechenland.
Nach der Kleinasiatischen Katastrophe ließen sich viele Flüchtlinge in der Stadt nieder und brachten dringend benötigte Arbeitskraft mit. Die meisten siedelten sich in der Gegend von Xirokampos an und brachten die Sitten, die Kultur und die Traditionen Kleinasiens mit. Aus der Siedlung wurde im Lauf der Jahre Nea Ionia, das heute zur Gemeinde Volos gehört und nur durch den Bach Krafsidonas vom Stadtzentrum getrennt ist.
Im Zweiten Weltkrieg litt die Stadt unter der harten italienischen und deutschen Besatzung, mit hohen Verlusten an Menschenleben, und ihre Entwicklung kam zum Stillstand.
Volos heute
Volos ist ohne Übertreibung eine der schönsten Städte Griechenlands. Die Stadt bietet moderne touristische Infrastruktur für einen angenehmen Aufenthalt, viele Sehenswürdigkeiten und religiöse Denkmäler und ist aus allen Teilen des Landes leicht zu erreichen. Ganz in der Nähe liegt der Flughafen Nea Anchialos mit saisonalen Flügen, vor allem im Sommer, aus einigen europäischen Städten; die Verbindungen ändern sich jedes Jahr.
Der Hafen von Volos gehört zu den größten Griechenlands: Hier werden Güter umgeschlagen, und Fähren und Schnellboote fahren zu den Sporaden (Skiathos, Skopelos, Alonissos). Viele Fischerboote fischen im Pagasitischen Golf und beliefern die Tsipouradika – kleine Lokale, die Tsipouro, den lokalen Tresterbrand, mit Meeresfrüchte-Meze servieren.
Wenn Sie in Volos sind, spazieren Sie an der schönen Uferpromenade mit ihren vielen Cafés und Restaurants entlang. Der Weg zur Kirche Agios Konstantinos und nach Anavros, mit einem Kaffee und Blick auf den Pagasitischen Golf, gehört zu den schönsten Momenten in der Stadt. In der Nähe von Volos liegen die schönen Strände von Anavros und Alykes sowie die vielen Strände des Pelion.
Besonders sehenswert sind die Kirchen der Stadt mit ihrer Architektur. Die Kirche Agios Nikolaos im Zentrum ist herausragend, und auf ihrem großen Vorplatz finden verschiedene Veranstaltungen statt. Außerdem hat die Stadt viele Museen, die Sie weiter unten finden.
Volos ist Sitz der Universität Thessalien, die 1984 gegründet wurde. Die vielen Studierenden verleihen der Stadt eine besondere Lebendigkeit. Oft finden kulturelle Veranstaltungen statt, wie der Sirtaki-Tanz von 2012, der ins Guinness-Buch der Rekorde kam. Auch das Nachtleben ist lebhaft, mit vielen Bars und Clubs.
Am bekanntesten ist Volos aber für seine Tsipouradika, von denen es in der ganzen Stadt Hunderte gibt. Der Überlieferung nach waren es die Flüchtlinge aus Kleinasien, die Tsipouro mit Meeresfrüchte-Meze einführten. In welches Tsipouradiko Sie auch gehen: Bestellen Sie ein „25ari“ – so heißt in Volos das kleine Fläschchen Tsipouro, etwa so viel wie ein kleines Glas, und zu jedem 25ari kommt ein anderer Meze.
Museen
Die wichtigsten Museen der Stadt:
- Archäologisches Museum Volos (Athanasakeio) – in einem klassizistischen Gebäude von 1909, mit Funden von der Vorgeschichte bis in frühchristliche Zeit: Objekte aus Sesklo und Dimini, Werkzeuge der Altsteinzeit, ein eigener Saal zur Jungsteinzeit, Goldmünzen, Grabstelen aus Demetrias und Nachbildungen von Gräbern. Adresse: Athanasaki 1.
- Kunstzentrum Giorgio de Chirico – benannt nach dem großen Maler, der 1888 in Volos geboren wurde. Die Dauerausstellung zeigt die Sammlung von Alexandros Damtsas mit rund 500 Werken aus allen großen Kunstströmungen des 20. Jahrhunderts, mit einem Schwerpunkt auf griechischen Malern des 19. Jahrhunderts; dazu kommen Wechselausstellungen. Adresse: Metamorfoseos 3.
- Ziegeleimuseum N. & S. Tsalapatas – in der 1926 gegründeten Fabrik, einem seltenen erhaltenen Industriekomplex. Es gehört zum Museumsnetz der Kulturstiftung der Piraeus-Bank-Gruppe.
- Volkskundezentrum Kitsos Makris – im Haus des Volkskundlers Kitsos Makris, mit einer reichen Sammlung: Werke von Theophilos, Wandmalereien von Pagonis, etwa 4.000 Bücher und Zeitschriften, Fotos der Volkstradition, vor allem vom Pelion, und Werke des Volkskünstlers N. Christopoulos. Adresse: Kitsou Makri 38.
- Eisenbahnmuseum Thessalien – im Bahnhof von Volos, mit einer reichen Sammlung von Eisenbahnobjekten und -erinnerungsstücken: Fotos, Uniformen, Werkzeuge, Laternen, Fahrkartenautomaten aus dem 19. Jahrhundert und vieles mehr. Adresse: Papadiamanti 1.
Prüfen Sie vor Ihrem Besuch die aktuellen Öffnungstage und -zeiten jedes Museums.
Pelion in 6 Kapiteln
Damit Sie wissen, was Sie sehen: Geschichte, Natur, Architektur, Küche, Kunst und Bräuche.
019′GeschichteVom Mythos bis heute
026′NaturWo der Berg auf das Meer trifft
0310′ArchitekturStein, Holz und Schiefer im Einklang mit der Natur
045′KücheEine Reise durch Aromen und Düfte
0510′Kunst & LiteraturSchulen, Maler und Museen am Berg
068′Bräuche & TraditionenHochzeiten, Dorffeste und alte Rituale
