PELION KENNENLERNEN · 05

Kunst & Literatur

Schulen, Maler und Museen am Berg

10 Min.8 Abschnitte

Das Pelion beeindruckt nicht nur mit malerischen Dörfern, üppigem Grün und seiner besonderen Architektur, sondern auch mit einer langen Tradition in Kunst und Literatur.

Auf dem Berg der Kentauren entstanden einige der berühmtesten Schulen und Bibliotheken Griechenlands, hier wirkten bedeutende Künstler und Volksmaler, und viele Menschen, die ihre Spuren hinterlassen haben, wurden hier geboren und unterstützten ihre Heimatdörfer großzügig. Wenn Sie durch die Dörfer des Pelion reisen, werden Sie sehen, wie viele Museen dieses kulturelle Erbe bewahren und wie viele Veranstaltungen rund um Kunst und Literatur die Region lebendig halten.

Die Schulen des Pelion

Die ersten Bildungsinitiativen im Pelion reichen ins 17. Jahrhundert zurück, in die Zeit der osmanischen Herrschaft; sie sollten den unterdrückten Griechen eine grundlegende Bildung vermitteln. In vielen Dörfern, etwa in Makrinitsa, Kissos, Agios Lavrentios und Drakia, gab es kleine Schulen der „Allgemeinen Schriften“, an denen Mönche und Priester unterrichteten und die den Bedarf vor Ort deckten. Zwei Dörfer ragten jedoch heraus: Zagora und Milies, die mit der Zeit zu den beiden großen Bildungszentren des Pelion wurden. Ihre berühmten Schulen boten hervorragende Lehrpläne, die dem wachsenden Bildungsbedarf der Zeit gerecht wurden, und beide besaßen bemerkenswerte Bibliotheken voller seltener Bücher und Dokumente, die den Unterricht unterstützten.

Das Ellinomouseio von Zagora

Schon im 17. Jahrhundert gab es in Zagora, im Viertel Sotira, eine kleine Schule. Als das Dorf wuchs, brauchte man eine zentraler gelegene Schule, und so wurde 1712 im Hof der Kirche Agios Ioannis Prodromos (Johannes der Täufer) eine neue Schule der „Allgemeinen Schriften“ gegründet. Sie ist auch als Schule des Rigas Feraios bekannt, denn der Überlieferung nach lernte hier Rigas, der Wegbereiter des griechischen Unabhängigkeitskriegs. Ab 1777 wurde sie renoviert und zu einer höheren Schule ausgebaut, vor allem dank zweier Söhne Zagoras: des Patriarchen Kallinikos (als Kallinikos III. oder IV. bezeichnet) und des Kaufmanns Ioannis Prigkos, der in Amsterdam lebte. Ihre Bemühungen und Spenden schufen das „Ellinomouseio von Zagora“, wie es später hieß, mit einer Bibliothek voller seltener und unschätzbarer Bücher, aber auch vieler für die damalige Zeit moderner Werke. Die Schule wurde für die Qualität ihres Unterrichts berühmt, und große Gelehrte studierten hier, etwa Anthimos Gazis und Grigorios Konstantas.

Die Schule von Milies

Die drei großen „Lehrer der Nation“ aus Milies, Anthimos Gazis, Grigorios Konstantas und Daniel Philippidis, führende Köpfe der neugriechischen Aufklärung, hatten einen gemeinsamen Traum: in ihrem Heimatdorf eine höhere Schule mit anspruchsvollem Unterricht zu gründen. Alle drei waren viel gereist und hatten in Europa die freiheitlichen Ideen der Aufklärung kennengelernt, die sie in ihre Heimat bringen wollten, um zu deren geistiger und kultureller Erneuerung beizutragen.

Während in Zagora das Ellinomouseio bestand, lebten Philippidis und Gazis im Ausland und warben in Briefen bei ihren Landsleuten um Unterstützung für das ehrgeizige Vorhaben. Gazis überzeugte in Europa Philhellenen und Auslandsgriechen, sich finanziell zu beteiligen, und kaufte unermüdlich Bücher, naturwissenschaftliche Instrumente und Karten, die er nach Milies schickte. Konstantas wiederum organisierte vor Ort die Schule und überwachte den Bau des Gebäudes.

Der Gründungsvertrag der Schule von Milies wurde im Juli 1814 unterzeichnet, am 6. August 1815 nahm sie offiziell den Betrieb auf. Bald war sie für die Qualität ihres Unterrichts und ihre reiche Sammlung physikalischer und chemischer Instrumente bekannt. Das Gebäude hatte vier Räume; in einem davon befand sich die berühmte Bibliothek „Psychis Akos“, was „Heilung der Seele“ bedeutet, mit rund 4.000 Büchern, darunter einige der wichtigsten Werke, die damals in Europa erschienen. Bis 1821 lief der Unterricht normal. Doch der von Gazis und Konstantas angeführte Aufstand im Pelion scheiterte, und beide mussten nach Südgriechenland fliehen, wo die Revolution weiterging. In diesen Jahren erlitt die Schule große Schäden und Verluste. Von 1834 bis 1844 war sie unter Grigorios Konstantas wieder geöffnet, mit seinem Tod 1844 schloss sie jedoch endgültig. Später war im Gebäude die Grundschule von Milies untergebracht, bis es 1943 von den Deutschen vollständig zerstört wurde.

Die Bibliotheken

Wie wir gesehen haben, besaßen sowohl die Schule in Zagora als auch die in Milies bedeutende Bibliotheken, deren Reichtum an Büchern und seltenen Dokumenten das Bildungsniveau entscheidend anhob. Die Bibliothek von Zagora, heute am Hauptplatz des Dorfes, wurde 1762 gegründet. Ihre ersten Bücher schickte Ioannis Prigkos aus Amsterdam, der als ihr Gründer gilt, unterstützt vom Patriarchen Kallinikos. Ihre Sammlung von mehreren tausend Bänden umfasst reiches und seltenes Material, darunter Handschriften und Kodizes.

Die andere große Bibliothek des Pelion, „Psychis Akos“ in Milies, entstand zusammen mit der Schule von Milies und besaß eine bedeutende Büchersammlung für Schüler und Lehrer. Nach dem Tod von Konstantas und der Schließung der Schule 1844 bemühte man sich, ihre seltenen Bücher und Instrumente zu retten; sie wurden in der Bibliothek aufbewahrt, als Erinnerung an die glanzvolle Vergangenheit. Bücher, die Gazis, Philippidis und andere Vertreter der neugriechischen Aufklärung herausgegeben hatten, Werke der Natur- und Geisteswissenschaften, Wörterbücher, Karten, Atlanten sowie physikalische und chemische Instrumente gehörten zu dieser riesigen Sammlung, die den Schülern half, besser zu lernen und zu verstehen.

Volksmalerei

Das Pelion blühte nicht nur in der Literatur auf, sondern auch in der Kunst, vor allem in der Malerei. Das verdankt es zu einem großen Teil zwei Malern, die hierherkamen und den Berg mit Hingabe und Fantasie schmückten: dem Ikonenmaler Ioannis Pagonis aus dem Epirus und dem Volksmaler Theofilos Hatzimichail aus Mytilini (Lesbos). Beide verschlug es durch verschiedene Umstände ins Pelion, sie lebten jahrelang in seinen Dörfern und gestalteten auf ihre ganz eigene Weise Herrenhäuser, Kirchen, Kafenia und andere Orte.

Schon lange vor ihnen schmückten prächtige Wandmalereien die Herrenhäuser des Pelion. Man fand sie an den Fassaden, vor allem im Streifen zwischen Dach und den Fenstern des obersten Stockwerks, aber auch innen im „kalos ontas“, dem Empfangsraum, und im „doxato“. Ende des 19. Jahrhunderts folgte die Malerei den neoklassizistischen Vorbildern der Zeit, mit Motiven aus Stillleben, Pflanzen- und Tierwelt und seltener aus Geschichte und Mythologie.

Ioannis Pagonis kam Anfang des 19. Jahrhunderts ins Pelion und prägte das künstlerische Leben des Berges rund vierzig Jahre lang. Er stammte aus Chionades im Epirus und widmete sich vor allem der Ausmalung von Kirchen; seine eindrucksvollen Werke sind bis heute in Dutzenden Kirchen des Pelion zu bewundern. Seine Kunst gab er an seinen zweiten Sohn Athanasios weiter, der vor allem Tafelikonen malte.

Theofilos Hatzimichail aus Mytilini kam Ende des 19. Jahrhunderts ins Pelion und blieb etwa dreißig Jahre. Auf dem Berg der Kentauren arbeitete er mit Leidenschaft und Inspiration und hinterließ viele bedeutende Werke: im Haus Gkekas in Agios Vlasios, in der Ölmühle Varalis, im Haus Kontos in Anakasia, in der Wassermühle Kontogiannis, in der Bäckerei Velentzas in Alli Meria, in Kafenia in Portaria und Makrinitsa und an vielen anderen Orten. Die beiden wichtigsten Ensembles sind das Haus Kontos in Anakasia, heute als Theofilos-Museum bekannt, und die Bäckerei Velentzas in Alli Meria; beide sind als Museen zu besichtigen. Das erste bewahrt eine vollständige, in Zonen gegliederte Ausmalung von Theofilos, das zweite neun seiner Wandbilder, acht im Inneren und eines an der Außenwand. 1927 verließ Theofilos das Pelion endgültig, und mit ihm endete auch die Mode der bemalten Häuser in der Gegend.

Theofilos war ein eigenwilliger Mensch. Als wandernder Maler trug er stets die Fustanella (den traditionellen Faltenrock) und einen Umhang und bewahrte sein Malwerkzeug im Gürtel auf. Er lebte für seine Kunst und wollte mit ihr die Heldentaten und die Größe der Griechen erzählen. Sein seltsames Auftreten und sein Stottern brachten ihm den Spott der Einwohner von Volos wie auch seiner Verwandten in Mytilini ein, ein Kummer, der ihn bis zuletzt begleitete. Die eigentliche Anerkennung kam erst nach seinem Tod im Jahr 1934.

Bedeutende Persönlichkeiten und große Wohltäter

Neben den Lehrern der Nation Anthimos Gazis, Grigorios Konstantas und Daniel Philippidis und den Malern Theofilos Hatzimichail und Ioannis Pagonis wurden im Pelion noch viele weitere bedeutende Persönlichkeiten aus verschiedenen Bereichen geboren oder wirkten hier.

Einer von ihnen war der Historiker Giannis Kordatos, geboren in Zagora, dessen Forschungen die Herkunft vieler Dorfnamen im Pelion erhellten. Der Arzt Dimitrios Saratsis wurde in Ano Volos geboren und hat viel für das Leben in Volos getan. Nikolaos Filaretos aus Promyri spielte eine wichtige Rolle in den Aufständen von 1821 und 1854, Kostas Garefis in denen von 1854 und 1878; nach dem Anschluss Thessaliens an Griechenland war er zwei Amtszeiten von je vier Jahren Bürgermeister von Milies. Auch der Schriftsteller Petros Magnis, Pseudonym von Konstantinos Konstantinidis, stammte aus Zagora, wo er geboren wurde und aufwuchs.

Tsagarada hatte besonderes Glück, denn gleich drei große Wohltäter unterstützten das Dorf: der Auslandsgrieche N. Nanopoulos stiftete das Gebäude der Nanopouleios-Schule, die zunächst als Handelsgymnasium diente; Ioannis Kartalis stiftete die Kartaleio-Grundschule; und die Brüder Achillopoulos gründeten die Handelsschule Achillopouleios, in der heute das Digitale Museum und Miniaturmuseum untergebracht ist.

Zwei bedeutende Künstler haben zudem ihre Heimatdörfer bekannt gemacht. Der Bildhauer und Grafiker Nikolas (Nikolaos Pavlopoulos) aus Agios Georgios Nileias hinterließ ein umfangreiches, vielfach ausgezeichnetes Werk; in seinem Geburtsort zeigt das nach ihm benannte Kunstmuseum wichtige Arbeiten von ihm. Thanasis Fampas, Bildhauer aus Lafkos, schenkte seine Werke, vor allem Skulpturen aus weißem Pelion-Marmor, dem Fampeion-Museum in der alten Dorfschule.

Nicht fehlen darf schließlich der italienische Ingenieur Evaristo de Chirico, Vater des in Volos geborenen Malers Giorgio de Chirico. Evaristo plante die Eisenbahnlinie des Pelion, auf der die berühmte Schmalspurbahn Moutzouris fährt, und trug damit viel zur wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklung des Berges bei.

Museen

Die Blüte des Pelion in Kunst und Literatur zeigt sich bis heute in seinen vielen Museen. Hier eine kurze Übersicht, damit Sie wissen, was Sie wo finden:

  • Kunstmuseum des Bildhauers Nikolas, Agios Georgios Nileias: eine große Sammlung der wichtigsten Skulpturen und Grafiken des Pelion-Künstlers Nikolas Pavlopoulos.
  • Bäckerei Velentzas, Alli Meria: ein Steinbau mit neun wunderschönen, hervorragend erhaltenen Wandbildern von Theofilos.
  • Theofilos-Museum, Anakasia: im Haus Kontos, mit einer vollständigen Ausmalung von Theofilos.
  • Töpfer- und Keramikmuseum „Anetopoulos“, Lechonia: eine große Sammlung von Gefäßen und Keramik.
  • Oliven- und Ölmuseum, Ano Gatzea: gut erhaltene Gegenstände und Werkzeuge für Ernte, Verarbeitung und Handel der Oliven.
  • Volkskundemuseum des ländlichen und kulturellen Erbes, Drakia: über 140 Exponate zum bäuerlichen Leben und zur Kultur von Drakia und Umgebung, im Herrenhaus Triantafyllou.
  • Ausstellung zur Landwirtschaft und traditionelle Ölmühle Hatzigiannis, Katichori: Exponate, Gegenstände und Fotos zu Hausgewerbe und örtlicher Agrargeschichte; in der Ölmühle sehen Sie, wie mit den alten, gut erhaltenen Maschinen Öl gewonnen wurde.
  • Fampeion-Museum, Lafkos: Werke des Bildhauers Thanasis Fampas aus Lafkos.
  • Radiomuseum „Antonis Tavanis“, Lafkos: eines der wenigen Radiomuseen Griechenlands, mit einer großen Sammlung seltener Radios, Fotos und Infomaterial.
  • Museum für Volkskunst und Geschichte des Pelion, Makrinitsa: reiche volkskundliche Bestände aus dem ganzen Pelion, etwa Hausrat, Werkzeuge, Bücher, Schmuck und Trachten.
  • Heimatmuseum Milies: eine volkskundliche Sammlung mit Gegenständen traditioneller Handwerke, Handarbeiten und Ikonen.
  • Digitales Museum und Miniaturmuseum, Tsagarada: volkskundliche Exponate in interaktiver 3D-Form und als Miniaturen.
  • Historisches und Volkskundemuseum, Portaria: eine Dauerausstellung mit Fotos, Gegenständen, Erbstücken und Trachten, die zeigen, wie die Menschen hier früher lebten.
  • Schifffahrtsmuseum, Trikeri: eindrucksvolle maritime Sammlungen im Herrenhaus Koutmanis.
  • Angelinis-Museum, Horto: ein Volkskundemuseum mit seltenen Stücken des örtlichen Kulturerbes.

Die kleinen Museen des Pelion haben oft eingeschränkte Öffnungszeiten, besonders außerhalb des Sommers; fragen Sie am besten vorher nach.

Veranstaltungen

Neben den Panigyria, den traditionellen Kirchweihfesten, die jedes Dorf zum Tag seines Heiligen oder zu anderen kirchlichen Festen feiert, mit Livemusik, Tanz und manchmal Theater, organisieren viele Dörfer auch kulturelle Veranstaltungen rund um Kunst und Literatur.

In Agios Lavrentios veranstaltet das „Musikdorf“ jeden Sommer Konzerte und Musikworkshops. Es ist eine der ersten internationalen Musikgemeinschaften Griechenlands, holt Künstler aus aller Welt ins Dorf und verleiht ihm einen ganz eigenen Charakter.

Lafkos ist für seine „Gitarrentage“ bekannt geworden, sommerliche Seminare und Konzerte für klassische Gitarre, bei denen schon international bekannte Gitarristen und Komponisten zu Gast waren.

In Milies organisiert der Kulturverein jeden Sommer verschiedene Veranstaltungen, und in Horto bietet die Kulturstiftung „G. Angelinis – Pia Hatzinikou“ im Sommer zweiwöchige Kunstseminare an. Im Freilichttheater „Aloni“ kurz außerhalb von Agios Georgios Nileias gibt es jedes Jahr Theateraufführungen und Konzerte. Und seit 2000 findet im Osten des Pelion das Pelion-Festival statt, mit Veranstaltungen zu Kunst und Literatur, Musikseminaren und Theater.

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